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 Buschenchappeli


  Das Buschenkappeli, auch Allmendkapelle oder Brüschkapelle genannt, geht nach seinen Bauformen ins 18. Jahrhundert zurück, deutlich ersichtlich auch nach dem Profil des hölzernen Dachgesimses. Der Grundriss mit langrechteckigem Schiff und im halben Sechseck zulaufendem Altarbereich könnte schon im 17. Jahrhundert entstanden sein. Etwas genauere Angaben hat man von der Kapelle im Zittenbuech in Unterägeri, welche zirka 1680 im gleichen Stil gebaut wurde.
Aus welchem Grund wurde die Kapelle gebaut?

Die Korporation als Eigentümerin des Buschenkappelis konnte in ihrem Archiv keine konkreten Schriftstücke über dessen Geschichte finden. Auch das Amt für Denkmalpflege des Kantons Zug kann sich über die Entstehung des Chappelis auf keine entsprechenden Unterlagen stützen.

 
  Aus mündlicher Überlieferung weiss man, dass viele Personen an immer wiederkehrenden Krankheiten wie Pest und Fiebergruppen leiden und sterben mussten. Auch das Vieh als Lebensgrundlage der damaligen Bevölkerung wurde öfters von Seuchenkrankheiten heimgesucht. Sollte doch einmal über Jahre das Gebiet als Weideland von solchen Krankheiten und Seuchen verschont geblieben sein, so haben die Bauern dafür als Dankbarkeit zu Ehren Gottes des Allmächtigen das Chappeli gebaut und ihre Anliegen dem besonderen Schutz der Mutter Gottes anvertraut.

Einer weiteren These wird nachgesprochen, dass auf diesem Platz während der Sömmerungszeit immer wieder Vieh verendete, sei es durch Blitzschlag oder aus übernatürlichen Gründen. So habe man sich entschlossen, mittels Frondienst und Spenden eine Kapelle zu bauen.

Noch eine dritte Version kann von älteren Walchwilern gehört werden. Zur Zeit der Französischen Revolution habe sich ein hoher fremder Offizier über mehrere Tage in diesem Gebiet verirrt und in seiner Verzweiflung geschworen, wenn er sein Heimatland noch einmal in seinem Leben betreten könne, dafür zu sorgen, dass hier eine Kapelle gebaut werde.

Auffallend ist festzustellen, dass der Pilgerweg von St. Adrian und Walchwil über den Walchwilerberg ins Ägerital zu den Wallfahrtsorten Gubel, Kloster Menzingen und Kloster Einsiedeln immer beim Buschenchappeli vorbeiführte.

Ursprüngliche Gestalt der Kapelle

Nach Aussagen von Dr. J. Grünenfelder ist das Äussere der Kapelle weitgehend in seiner ursprünglichen Form, mit einem feinen Kalkverputz, erhalten geblieben. Das Innere hat man sich als einen einzigen Raum ohne Zwischenwand (Chorbogen) vorzustellen. Auch die massive Wölbung der Decke ist für ein so kleines Bauwerk von damals eher ungewöhnlich.

Die an der Westfassade eingemauerte Jahrzahl 1900 beweist, dass zu dieser Zeit eine intensive Renovation durchgeführt wurde. Dabei wurde der Altar mit einer Mauer und einem Gitter abgetrennt. Er enthält in der Kreuzigungsgruppe mit dem Gekreuzigten, Maria und Johannes, drei sehr wertvolle Skulpturen aus dem 17. Jahrhundert, die man laut Dr. J. Grünenfelder der Werkstatt des Johannes Baptist Wickart zuschreiben kann. Aus dieser Zeit stammen auch der Zementverputz mit grober Oberfläche, sowie die sandsteinernen Tür- und Fenstergewände. Als Bestuhlung dienten lediglich links und rechts eine massive Seitenbank.

Renovationen seit 1966

Auf ein schriftliches Gesuch von Sepp Marbacher für einen Turmaufbau mit Glocke wurde die Bewilligung erteilt, und mit Hilfe von Marie Müller, Armin Wyss und privaten Geldspendern konnte zugleich eine Renovation mit einer neuen Bankbestuhlung vollzogen werden. Die Glockenweihe mit Glockengotte Marie Müller, genannt "Stoffels Marie", und Glockengötti Sepp Marbacher fand im Juli 1966, verbunden mit einem grossen Bergfest, statt. Seither wird alljährlich vom Jodlerklub Walchwil das zur Tradition gewordene Bergfest durchgeführt. Sepp Marbacher amtete als Chappelisigrist bis zu seinem Tod im Jahre 1985.

Zum Anlass des 20. Bergfestes wurde von 1985 bis 1987 erneut das Chappeli unter Anleitung der kantonalen Denkmalpflege einer totalen Restaurierung unterzogen. Eine von der Korporation bestellte Kommission ist für die Pflege und Restaurierung des Chappelis verantwortlich. In der ersten Etappe erfolgte eine gründliche Aussenrenovation mit folgenden Arbeiten: Sickerleitung mit Sickergeröll als Feuchtigkeitsschutz rund um die Kapelle, Holzteile der Dachkonstruktion ersetzen, Dachuntersicht neu erstellen, Risse an Wänden ausflicken und mit einem Mineralmörtel überziehen, Fensterscheiben ersetzen und die Sandsteine an Fenster und Türe nach speziellen Anweisungen neu bearbeiten und Vordach am Eingang ersetzen. Danach erfolgte die Innenrenovation der Kapelle: Bänke ausbauen, reinigen und neu behandeln, Risse und Feuchtstellen ausbessern, Wände und Dachwölbung neu überarbeiten, Altartisch ersetzen und neues Chorgitter einbauen.

 

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